Hinzufügen als Problemlöser
… das ist zumeist auch der Weg, der in den meisten Unternehmen gegangen wird, wenn es darum geht, Veränderungen einzuführen, Probleme zu lösen oder generell mit Unsicherheiten umzugehen. Immer wieder wird versucht mit gleichen Methoden oder Mechanismen, bestehende Denk -und Verhaltensmuster hinüber zu retten in eine (Arbeits-)Welt, die eigentlich etwas ganz anderes braucht: Kreativität, Innovation und Strukturen, die zukunftsfähig das konstruktive Miteinander unterstützen und insbesondere den kommunikativen Austausch in eine neue Qualität bringen können.
Noch ne Schippe drauf …
Also noch eine weitere Regel, hier noch eine zusätzliche Vereinbarung, da ein weiteres Formular, weitere to do’s… Probleme lösen wir Menschen offensichtlich lieber durch’s Hinzufügen. Je größer der Druck wird, desto mehr packen wir oben drauf, halten am Alten fest. Schließlich haben wir viel Energie (Zeit, Geld, Mühe, …) investiert.
Ein bisschen wie auf dem Hamburger Fischmarkt, wo die berühmten Marktschreier dort die Zuschauer locken mit ihren Angeboten … und hier noch ein Aal … und weil heute Samstag ist, lege ich noch ne Schippe drauf und gebe ich dir noch eine Wurst dazu … und, und, und …und bald ist die Tüte prall gefüllt. Und ja, es macht natürlich Spaß zuzuhören, und man hat das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben.
Na gut, ich hatte vorher kein Problem zu lösen, habe es aber vielleicht hinterher, weil die Tüte voll ist mit Dingen, die ich gar nicht brauche.
Weglassen statt festhalten
Wir halten fest an bestehenden Dingen, Prozessen, Abläufen und Regeln, die uns überhaupt nicht mehr nützlich sind. Dies scheint immer einfacher zu sein. Dabei ist es genau umgekehrt: Nichts kostet mehr Energie, als einen schlechten Zustand zu bewahren statt einmal loszulassen und Platz zu machen für was Neues.
Für die Arbeit im Team, in der Teamentwicklung oder insgesamt bei konkreten Veränderungen braucht es also erst einmal andere Fragen: Was wollen wir nicht mehr? Was stattdessen? Also erst einmal mutig loslassen, streichen und reduzieren: Wovon wollen wir uns endgültig verabschieden?
„Was soll ab sofort passieren?“
„Was niemals mehr?“
„Was soll bestehen bleiben?“
„Wovon brauchen wir mehr?“
Die Kunst des Weglassens erfordert im ersten Moment Mut. Doch schnell klärt sich der Blick und wird frei für Neues. Er wird auch frei für das, was gut war und in jedem Fall beibehalten werden soll. Es kann dann jedoch intelligenter und produktiver genutzt werden. Das Sprichwort „„Wer loslässt, hat zwei Hände frei“, trifft voll ins Schwarze.
Viele Grüße von BANI
Und dieses Weglassen ist in unserer heutigen BANI-Arbeitswelt eine Führungsdisziplin. Das Akronym BANI (Brittle, Anxious, Non-Linear, Incomprehensible) bringt es immer wieder auf den Punkt, dass wir permanent an unsere Grenzen stoßen. In allen Unternehmensbereichen sind Instabilität und Orientierungslosigkeit unsere ständigen Begleiter. Und wir haben Strukturen, die oft im Weg sind. Immer wieder stellt sich die Frage: Wie gehen wir damit um, wenn das, was mal sinnvoll war heute nicht mehr hilft?
Weglassen als Führungsdisziplin
Sie erfordert von Leader:innen, dass sie bereit sind
- zum konsequenten Perspektivwechsel
- altes Denken, bestehende Muster und Glaubenssätze zu hinterfragen: individuell und im Team
- Abschied zu nehmen vom Selbstverständlichen und auch unbequeme Situationen aushalten zu können
- zur Selbstführung für die eigene Stabilität und Souveränität
- zur regelmäßigen Standortbestimmung und dem Hinterfragen bestehender Standards: Welche Vereinbarungen nützen uns noch in dieser Projektphase? Was nützt uns in der Teamzusammenarbeit? Was schafft Wert?
Durch ständiges Hinzufügen lösen wir nicht nur keine Probleme, sondern unterstützen eine Entwicklungsdynamik, die im ersten Schritt zum Stillstand führt und im weiteren Verlauf Rückentwicklung und eine zunehmende Häufung von Problemen bedeutet.
Eine unsichere Arbeitswelt erfordert nicht weniger Fragen, sondern mehr Fragen. Die richtigen Fragen, die uns zum Weglassen ermutigen. Sonst werden wir es nicht schaffen, Platz zu machen für neue Lösungen und einer sehr bewussten Neuausrichtung.




