„Du musst jetzt raus aus deiner Komfortzone!“ So oder ähnlich hört man es gerade jetzt zu Beginn des neuen Jahres. Von sich selbst oder von anderen.
Viele möchten jetzt für das neue Jahr etwas ändern, sind aber hin und hergerissen zwischen dem, was sie abschließen oder sogar am liebsten ganz aus ihrem Leben streichen möchten und der Hoffnung, dass jetzt endlich was passiert, das sie mit neuer Zuversicht und Zielen in die Zukunft blicken lässt.
Ständiger Kampf
Diese Widersprüche sind nicht immer angenehm, fühlen sich oft wie Kampf an und üben Druck aus. „Du musst da jetzt aus deiner Komfortzone raus, … sonst schaffst du deine Ziele nicht … sonst klappt das nicht mit dem nächsten Karriereschritt … sonst versagst du hier als Führungskraft … bist ein Versager … kannst dich nicht weiterentwickeln … nimmt dich keiner mehr ernst …“
Hört sich nicht gut an. Macht schwach und bei jedem Misslingen unzufriedener.
Dabei vergessen viele, auch die Komfortzone ist ein Entwicklungsfeld. Und du musst überhaupt nicht alles hinter dir lassen, wenn du dich weiterentwickeln willst. Im Gegenteil, du kannst alles, was du willst, auf deine Entwicklungsreise mitnehmen. Ich benutze dafür gern das Bild vom Stand- und Spielbein.
Komfortzone als Standbein
Gerade wenn du dir jetzt Fragen stellst, wie z. B. „Was will ich eigentlich genau?“ „Was ist mir wichtig … im Job … privat etc?“, dann ist es gut, sich in der eigenen Komfortzone, sprich im eigenen Leben, geborgen zu fühlen. Genieße deine Komfortzone, genieße und nimm bewusst wahr, was du hast: Die Sicherheit deines Umfeldes durch Familie und Freunde, Wohlgefühl, weil vieles einfach gut funktioniert. Sicherheit, weil du genug Geld zum Leben hast. Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, weil Routinen Ruhe reinbringen und weil du vielleicht dein Leben ganz gut organisiert bekommst. Vertrauen, weil du spürst, dass es Menschen gibt, die dich mögen und dein Bestes wollen. Hier stehst du auf sicherem Boden.
Komfortzonen werden auch durch Fehler gepägt
Aber auch die Fehler und Pannen, die du schon erlebt hast, gehören dazu. Diese Ereignisse haben dich hier und da straucheln lassen, aber du bist wieder aufgestanden und konntest aus ihnen lernen. Alle diese Erfahrungen und Ereignisse haben deine Komfortzone dicker und größer gemacht. Wunderbar.
Eigene Ressourcen bewusst machen
Unser Handeln in der Komfortzone ist zumeist unbewusst. Es wird Zeit, sich die Qualität ins Bewusstsein zu holen. Im Sinne deiner eigenen Entwicklung frage dich doch zunächst einmal, über welche Ressourcen verfügst du in dieser Zone? Und wie kannst du diese Stärken und Ressourcen weiter ausbauen? Das sind zwei Fragen, die ich mir gerade zu Beginn des neuen Jahres inzwischen immer stelle. In diesem Sinn, für dich selbst, aber auch in deiner Rolle als Führungskraft – nimm dir Zeit und spüre nach. Stelle dir verschiedene Situationen genau vor, wenn sie in einem ressourcenvollem Zustand sind – egal ob es eine Gesprächssituation mit Mitarbeitenden ist oder etwas aus dem privaten Umfeld. Nutze alle deine Sinne, nimm jetzt deine vorhandenen Ressourcen genau wahr. Und frage dich z. B.
– Wofür möchte ich gerne mehr Zeit investieren?
– Welche Chancen will ich nutzen?
– Mit wem will ich mal wieder ausführlich über xy sprechen?
– Wie kann ich mein Support-System weiter ausbauen?
– Wer gibt mir stets Energie, bei dem ich mich mal bedanken sollte?
– Wann und wo sollte ich meinen Mitarbeitenden mit mehr Offenheit begegnen?
– Wie kann ich meine Mitarbeitenden im Veränderungsprozess am besten unterstützen?
– Wie kann ich Raum für neue Gedanken schaffen und gleichzeitig Gutes anerkennen?
– Was ist wert, beibehalten zu werden?
– Wie kann ich noch besser mehr auf die Stärken im Team fokussieren und aus der Fehler- eine Lernkultur machen?
Das sind einige Fragen für die Komfortzone. Nutze sie, denn mit diesen Fragen, mit einer offenen und ehrlichen Reflexion, verändert sich bereits etwas. Auch in der Komfortzone können deine Gedanken neues Handeln initiieren. Entwicklung beginnt.
Jetzt ist dein Spielbein dran
Und wenn du mehr willst, dein persönliches next level erreichen willst, dann nimm dein Spielbein und spüre nach, wo du dich wirksam und konsequent weiterentwickeln willst. Geh dahin, wo deine Vision und deine Ziele dich hinziehen, wo ein Kribbeln im Bauch entsteht, die Neugierde dich antreibt. Oder weil es gerade so unbequem und begrenzend wird, dass du in jedem Fall eine Veränderung willst, auch wenn du nicht weißt, wie der Weg genau aussehen wird. Und ja, das ist Entwicklung außerhalb der Komfortzone. Da passieren die größeren Entwicklungsschritte und Quantensprünge.
Denn das stimmt auch: Wenn du nichts tust und dich einfach nur in deiner Komfortzone ausruhst, werden Langeweile, Trägheit und Stillstand die Führung übernehmen. Tut dir nicht gut, tut deinem Team nicht gut. Hol dir die Kraft aus deiner Komfortzone und deiner Vision und deinen Zielen. Und dann spring!
Erfolg kommt zu denen, die handeln und nicht zu denen, die passiv auf ihre Chancen warten.
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